Glacier-Nationalpark, Montana




Vergrößerung

Der langgezogene Bowman Lake im Westen des Parks eignet sich für Kanufahrten

An der kanadischen Grenze, im nordwestlichen Montana, liegt der 100 km lange und 50 km breite Glacier-Nationalpark. Er ist ein Gebirgspark der Rocky Mountains, mit mehreren Dreitausendern, und - wider Erwarten - nur einigen wenigen Gletschern. Denn der Name 'Glacier' nimmt Bezug auf die Eiszeitvergletscherungen. Diese Gletschermassen haben den scharfkantigen und steilwandigen Bergen das heutige Aussehen verliehen, die über 200 kleinen Firnseen und die U-förmigen Täler mit den mehr als einem halben Dutzend großer, langgestreckter Seen hinterlassen. Unzählige Bäche stürzen über senkrecht abgeschliffene Felswände, fließen durch dichte Nadelwälder und blumenreiche Wiesen. Die Schönheit und leichte Zugänglichkeit des Gebiets haben bereits 1910 zur Schaffung des Nationalparks geführt. Die aussichtsreiche Parkstraße über den 2026 m hohen Logan-Paß lockt alljährlich viele Besucher an, die auch zum Wandern, Bootfahren, Angeln, Reiten oder zum Beobachten der vielen wilden Tiere, darunter auch Schwarzbären, hierher kommen.

Geschichte

Den Blackfoot und den Kutenai, die das Gebiet westlich des Parkes bewohnten, war das heutige Parkgebiet, wie Überlieferungen bestätigen, seit jeher als Jagd- und Fischgebiet, aber auch als heiliger Ort bekannt. Auf sehr alten Pfaden durchquerten Generationen von Indianern das gebirgige Gelände, um in der östlich des Parkes gelegenen Prärie Bisons zu jagen.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts strömen weiße Erzschürfer (prospector) auf der Suche nach Edelmetallen aller Art in das Parkgebiet, ohne sich endgültig dort niederzulassen. Die ersten weißen Siedler waren Milo Apgar und Charles Howe. Sie errichteten 1892 am Westufer des McDonald-Sees ihre Blockhütten.
Erste Bestrebungen, das Gebiet unter Naturschutz zu stellen, gehen auf das Jahr 1885 zurück. In jenem Jahr war das angrenzende Gebiet der kanadischen Waterton Lakes zum National Forest erklärt worden. Zum ersten Superintendent des 1910 etablierten Glacier Nationalparks wurde William R. Logan ernannt, der die touristische Erschließung des Parkes förderte und insbesondere den Bau der Going-to-the-Sun Road über den 2027m hohen Logan Paß veranlaßte. Gestützt auf die Beschlüsse des kanadischen Parlamentes und des US-Kongresses, gedacht als ein Symbol für Frieden und Freundschaft, entstand 1932 der Waterton-Glacier International Peace Park.

Geologie

Das Gestein im Glacier-Nationalpark ist in den untersten Schichten über 1,5 Mia, in oberen Schichten 800 Mio Jahre alt. Es besteht aus sehr fossilienarmen Meeresablagerungen, die im Laufe der Zeit eine Mächtigkeit von mehreren tausend Metern erreicht hatten. Abgelagert worden waren Schlamm, Sand, Kies und Kalk. Unter dem Gewicht darüberliegender Schichten waren die tieferliegenden Sedimente zu Stein verfestigt worden. In Abständen stieß aus dem Erdinnern flüssiges Magma in das Ablagerungsgestein vor, welches zu Magmatiten wie Granit erstarrte. Das Sedimentgestein wurde durch diese Intrusion teilweise metamorphosiert. In Form von Lava gelangte das Magma an die Erdoberfläche.
Bis vor etwa 400 Mio Jahren verlief die Westküste Nordamerikas unweit westlich des heutigen Parkgebietes. Vor wenigstens 360 Mio Jahren bewirkten Erdkrustenbewegungen Hebung und Überschiebung der eingangs erwähnten Meeressedimente über den damaligen westlichen Kontinentalrand. Eine zweite Überschiebungsphase erfolgte vor etwa 240 Mio Jahren. ein dritter 'Schub', der vor etwa 200 Mio Jahren einsetzte und vor 40 Mio Jahren endete, bewirkte die Bildung der sogenannten Lewis-Deckenüberschiebung, der geologischen Besonderheit dieses Parkes; die ständig weiter ostwärts gedrängten Sedimente wurden gefaltet und dabei in zwei Blöcke zerbrochen, die über 50km weit übereinander geschoben wurden. Trotz jahrmillionenlanger Verwitterung ist diese Deckenüberschiebung im Park noch heute deutlich erkennbar.
Die mächtigen Eiszeitgletscher gaben der Landschaft den letzten Schliff, schufen die breiten U-Täler mit den hohen, steilen Felswänden und die zahllosen großen und kleinen Seen.

Tierwelt

Weißwedelhirsch

Im Park leben die für die Rocky Mountains typischen Säugetiere. Zu den am häufigsten vorkommenden Säugern zählen Elche, Wapiti-, Maultier- und Weißwedelhirsch, Dickhornschafe, Schneeziegen, Schwarzbären, Stinktiere, Waschbären, Erd- und Streifenhörnchen. Weniger zahlreich vertreten sind Grizzlybären, Berglöwen, Luchse und Otter.
Unter den über 200 Vogelarten des Parkes dominieren die Wasservögel. Zu erwähnen seien etwa See- und Lappentaucher, Säger und Seeschwalben, Rabenvögel, Hühnervögel, Schwalben, Sänger, Finkenvögel und das winzige Kolibri sind weitere Parkbewohner. Gelegentlich werden Fisch-, Stein- und Weißkopfseeadler beobachtet.

Pflanzenwelt

Die Westseite des Parkes erhält von den feuchtwarmen pazifischen Luftmassen bedeutend mehr Niederschläge als die Ostseite. Auf der Westseite findet man deshalb bis auf eine Höhe von etwa 1800m dichte Wälder mit Douglastannen, Langnadeligen Kiefern, Lärchen und, besonders im Lake McDonald Valley, Riesenlebensbäume und Hemlockstannen vor. Auf der trockeneren Ostseite, an der gelegentlich kalte Winde auftreten, liegt die Baumgrenze deutlich tiefer, Der weniger dichte Wald besteht aus Felsengebirgstannen, Langnadeligen Kiefern, Douglastannen und Weichkiefern. Bei etwa 1200 m. wird der Nadelwald von der trockenen Prärie abgelöst. An diesem Übergang gedeihen an geschützten Orten einige Zitterpappeln. Über der Baumgrenze erstrecken sich beidseits der Gebirgszüge Bergwiesen, die sich in der kurzen Sommerzeit von Juni bis August in ein Blumenmeer verwandeln.

Aktivitäten

WANDERN Die Wandermöglichkeiten sind vielfältig. 1200km Wanderweg und entlang diesen Wegen mehr als 60 primitive Zeltplätze stehen zur Verfügung. Viele ein- bis dreistündige, aber auch mehrtägige Touren können unternommen werden. Zu berücksichtigen ist, daß in höheren Lagen oft bis Mitte Juli Schnee liegt. Die kostenlose Broschüre 'Day Hikes` informiert über kurze Routen. Das ebenfalls kostenlose Informationsblatt 'Backcountry' gibt Auskunft über längere Touren.
REITEN Von Many Glacier, Apgar und vom Lake McDonald Lodge aus werden im Sommer täglich begleitete Reittouren unternommen; sie dauern zwischen einer Stunde und einem Tag.
BOOTFAHREN Im Sommer werden von Many Glacier, Rising Sun, Two Medicine und vom Lake McDonald Lodge aus täglich Bootsrundfahrten durchgeführt. Auf den Seen McDonald, Waterton, Sherburne und St. Mary sind große Motorboote, auf den Seen Kintla, Bowman und Two Medicine nur Boote mit Motoren bis max. 10 PS zugelassen. Bootsvermietungen befinden sich in Many Glacier, Rising Sun, Two Medicine Lake und beim Lake McDonald Lodge. Für Kanufahrten sind der Kintla und der Bowman Lake am geeignetsten. Der Flathead River Middle Fork, der die Westgrenze des Parkes bildet, ist ein bekanntes Gewässer für Wildwasserfahrten mit Schlauchbooten. In der Ortschaft West Glacier befinden sich mehrere kommerzielle Unternehmen, die regelmäßig unterschiedlich lange Wildwasserfahrten durchführen.
ANGELN Im Parkgebiet sind 22 verschiedene Fischarten heimisch. Geangelt wird vor allem auf Forellen. Es ist eine kostenlose Lizenz des Parkes erforderlich. Die Angelvorschriften sind zu beachten.
WINTERSPORT Skilanglaufen und Schneeschuhwandern nehmen immer mehr an Beliebtheit zu. Im Winter sind im Park alle Besuchereinrichtungen geschlossen. In den Ortschaften der Umgebung erhält man auch im Winter Unterkunft und Verpflegung. Die Straße von West Glacier über Apgar zum Lake McDonald Lodge wird schneefrei gehalten.
VERANSTALTUNGEN Während der Hauptsaison von Mitte Juni bis Ende August begleiten Parkranger Besucher von verschiedenen Orten im Park aus täglich auf kürzeren oder längeren Wanderungen; im Mai, September und Oktober finden diese lehrreichen Wanderungen nur an Wochenenden statt. Im Sommer werden in den Campingplätzen Apgar, Fish Creek, Avalanche, Two Medicine, Rising Sun und Swiftcurrent sowie im McDonald Lodge, im Many Glacier Hotel und im St. Mary Besucherzentrum Abendprogramme mit Filmvorführungen und Lichtbildervorträgen veranstaltet. 

Sehenswertes
(Zahlen siehe Karte)

Entlang der Parkaussichtsstraße, die bei Apgar im Westen beginnt und über die Going-to-the-Sun Road nach St.Mary im Osten führt, befinden sich viele Sehenswürdigkeiten. Der Lake McDonald ist ein viel besuchter See, auf dem Bootsrundfahrten angeboten werden. Beim Avalanche-Campingplatz beginnt der Avalanche Lake Trail , ein 4 km langer Wanderweg, der zum gleichnamigen See und zu den vielen hohen Wasserfällen des Avalanche Basin hinaufführt. Etwa 200 m nördlich des Avalanche-Campingplatzes beginnt der 'Trail of the Cedars' , ein 300 m langer Lehrpfad, der durch einen Zedernwald mit zum Teil über 500 Jahre alten Bäumen führt. Die Going-to-the-Sun Road , deren Benutzung auf kleinere Fahrzeuge beschränkt ist, steigt kurvenreich, steil und mit einigen engen Stellen zum 2027 m hohen Logan-Paß hinauf, vorbei an zahlreichen Aussichtspunkten. Von der Paßhöhe aus wird der Blick auf die Parkostseite frei. Hinter dem Besucherzentrum auf der Paßhöhe beginnt ein 700 m langer Lehrpfad durch die Hanging Gardens , einer mit Wildblumen übersäten Alpwiese, in der sich stets Murmeltiere (marmot) und Erdhörnchen aufhalten. Auf der Ostseite des Passes führt die Going-to-the-Sun Road erneut an mehreren Aussichtspunkten vorbei. Erwähnt sei etwa der Going-to-the-Sun Point am St. Mary Lake.
In der Many Glacier-Region führen kurze und lohnende Wanderwege zu Wasserfällen und kleinen Bergseen. Gleiche Möglichkeiten bietet die Two Medicine-Region .
Auf der Westseite des Parkes beginnt wenige Kilometer nördlich von Apgar die North Fork Road , eine unbefestigte Straße, die für Wohnanhänger ungeeignet ist; sie führt zu den landschaftlich eindrücklichen, langgezogenen Seen Bowman und Kintla , die gerne von Kanufahrern aufgesucht werden.
Der Glacier-Nationalpark grenzt im Norden an den in Kanada gelegenen Waterton Lakes-Nationalpark , der von den Waterton Lakes und ebenfalls von steilwandigen Bergen dominiert wird.

Tierbeobachtung
(Zahlen siehe Karte)

Das Sumpfgebiet der McGee Meadow und die Umgebung des Mud Lake an der auch 'Glacier Route Seven' genannten North Fork Road sind die Domäne von Elchen. Weiter nördlich führt die North Fork Road durch Waldlichtungen , die gerne von Weißwedelhirschen aufgesucht werden. Im Frühjahr weiden auf dem Grasland des Flathead River bei Polebridge Wapiti- und Weißwedelhirsche sowie Elche.
Gelegentlich tauchen hier im Frühjahr auch Grizzlybären auf. Während des Sommers halten sich letztere in höheren Regionen, meistens in der Nähe der Waldgrenze und darüber auf. Entlang der Cammas Road , in der Nähe der Huckleberry Mountains, werden oft Schwarzbären gesichtet.
Am Ostufer des McDonald Lake können viele Wasservögel beobachtet werden. Im Oktober halten sich am kurzen Flußstück zwischen McDonald Lake und Flathead River wegen der dort laichenden Kokanee-Salmen zeitweise gegen hundert Weißkopfseeadler auf. Der Avalanche Lake , der über einen 4 km langen Wanderweg erreicht wird, ist das Revier seltener Wasservögel.
Die Umgebung der Logan-Paßhöhe gehört den Erdhörnchen und Murmeltieren; aufmerksam, wenn auch ohne großes Interesse, verfolgen sie das Tun der menschlichen Eindringlinge. Vom Logan-Paß aus können an den steilen Hängen des Clements Mountain im Westen, des Mt. Oberlin im Nordwesten und des Pollock Mountain im Norden oft Schneeziegen ausgemacht werden. An den Hängen des Altyn Peak hält sich häufig eine Gruppe Dickhornschafe auf; gelegentlich steigen die Tiere ins Tal hinunter und sind in der Umgebung des Many Glacier-Hotels anzutreffen.
In der Nähe der südlichen Umfahrungsstraße der Parkes, bei Walton, befindet sich der sogenannte Walton Goat Lick . Hier decken sich die Schneeziegen mit dem lebensnotwendigen, im Boden enthaltenen Mineralsalz ein.

Camping

Großzügiger Park-Campingplatz

Die großen Campingplätze befinden sich in Apgar, Avalanche, Many Glacier, Rising Sun, St.Mary Lake und Two Medicine. Sie verfügen je über 80 bis 200 Einheiten. Acht weitere, kleinere und primitive Campingplätze sowie über 60 kleine Zeltplätze im Hinterland stehen ebenfalls zur Verfügung. Mit Ausnahme des Apgar-Campingplatzes, der von Mai bis Oktober offen ist, sind alle Plätze von Juni bis September zugänglich. 

Hotels / Essen

Hotels mit Restaurants findet man am Lake McDonald, in Many Glacier und in Rising Sun. Weitere Restaurants befinden sich in Apgar und Swiftcurrent. Diese Einrichtungen sind von etwa Mitte Juni bis Mitte September in Betrieb. Die umliegenden Ortschaften bieten weitere Unterkunfts- und Verpflegungsmöglichkeiten. Diese Betriebe sind zum Teil ganzjährig offen. Lebensmittel können im Park in Apgar, St.Mary und Many Glacier gekauft werden. 

Anreise

Great Falls (Montana) liegt 230 km südöstlich, Kalispell (Montana) 52 km südwestlich, Lethbridge, 128 km nordöstlich des Parkes. Diese Städte verfügen über planmäßige Flugverbindungen zum Park. Die Züge der Amtrak-Eisenbahnlinie halten in den Ortschaften West Glacier (Belton) und East Glacier. 

Klima / Reisezeit

Die Sommer sind warm, mit kühlen Nächten, die Winter mild. Feuchte, pazifische Luftmassen bewirken auf der Westseite, je nach Höhenlage, 70 bis 250 cm Niederschlag pro Jahr. Im Winter sind mehr als 80% der Tage bewölkt. Die bedeutend trockenere Ostseite erhält im Winter von der Arktik her zeitweise sehr kalte Luft. Die Monate Juli und August sind warm und in der Regel trocken. Mit gelegentlichen Kälteeinbrüchen ist auch im Sommer, vor allem nachts, zu rechnen, Hauptbesucherzeit ist Mitte Juni bis Mitte September. Der Logan-Paß ist je nach Schneeverhältnissen von Mitte Juni bis Mitte Oktober befahrbar. 

Anschrift / Info

Das Besucherzentrum von Apgar ist von Ende Mai bis Mitte Dezember täglich, in der übrigen Zeit an den Wochenenden offen. Im Besucherzentrum von St. Mary, das von Ende Mai bis Mitte Oktober in Betrieb ist, werden neben einer Ausstellung in regelmäßigen Abständen auch Filme und Lichtbilder über den Park gezeigt. Auf dem Logan-Paß befindet sich ein drittes Besucherzentrum, das von etwa Mitte Juni bis Mitte September offen ist.

Glacier National Park
National Park Service
P.O. Box 128
West Glacier, Montana 59936
USA

Links

Glacier-Nationalpark Offizielle Home Page des Nationalparks